13.08.2026
Rückblick 18.08.2026 Wahlforum St. Marien Gardelegen mit den Direktkandidaten im Wahlkreis 2

Zitiert aus: https://www.az-online.de/altmark/gardelegen/afd-kandidat-will-kirchen-das-geld-streichen-pfarrer-kontert-live-94450646.html
 

Gardelegen: AfD-Kandidat will Kirchen das Geld streichen – Pfarrer kontert live

Stand:20.08.2026, 06:59 Uhr

Von: Ina Tschakyrow

Beim Wahlforum zur Landtagswahl in der Marienkirche Gardelegen stellten sich acht Direktkandidaten den Fragen von Pfarrer Tobias Krüger. Sebastian Koch begründete, warum seine Partei der Kirche die Steuergelder entziehen will.

Gardelegen – Miteinander reden sei besser, als gegeneinander, sagte Pfarrer Tobias Krüger am Dienstagabend und begrüßte damit die vielen Zuhörer und Zuhörerinnen des Wahlforums. In der Marienkirche stellten sich die acht Direktkandidaten für die Landtagswahl im Wahlkreis 2 vor: Sandra Hietel-Heuer (CDU), Sebastian Koch (AfD), Toni Klabis (Die Linke), Skady Herkenrath (SPD), Annelie Brune (FDP), Tobias Kremkau (Bündnis 90/Die Grünen), Paul Heitmann (Die Partei) und Frank Roßband (BSW). Wer konnte überzeugen? Was waren die Themen?

Maßnahmen gegen Klimawandel

Fragen hatte sich Tobias Krüger überlegt, das Publikum konnte auf Bierdeckel anonym welche stellen. Nach den gefragten Gründen für das jeweilige politische Engagement wurde es spannend, als es um den Klimawandel, vor allem in Bezug auf die Trockenheit und Waldbrände, ging. Toni Klabis sagte unter anderem, dass es statt einem wieder zwei Landesforstbetriebe geben muss, kleine Waldbesitzer mehr Unterstützung benötigen und er für erneuerbare Energien stehe. Der Fokus liege laut Tobias Kremkau darauf, „dass wir uns anpassen müssen“. Beispielsweise müsse geklärt werden, wie zukünftig Landwirtschaft in der Altmark betrieben werden kann. Nachhaltigkeit fördern und einfordern, dass nachhaltiger produziert wird, ergänzte er. „Die Anpassung ist auch unser Thema“, sagte anschließend Sandra Hietel-Heuer. So wurde beispielsweise wegen des Wassermangels das Wassergesetz novelliert. Um etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, müssten alle Beteiligten einbezogen werden.

Laut Sebastian Koch leugne die AfD in großen Teilen den menschengemachten Klimawandel bzw. stelle diesen infrage. Dem schloss er sich an. Der menschengemachte Klimawandel könne „nicht gerettet werden“. Ob eine gemeinsame Energiepolitik, die Sebastian Koch ansprach, möglich sei, fragte Tobias Krüger Skady Herkenrath. Ein Problem sei, sagte sie, dass der Klimawandel als Problem in den Hintergrund gerückt sei, weil es viele andere Probleme gebe. Aber der Klimawandel ist und bleibt „eines der größten Probleme“. Eine gemeinsame Energiepolitik sei schwierig, ergänzte Tobias Kremkau und bezog sich auf die AfD, wenn nicht deutlich sei, „wofür Sie in der Energiepolitik stehen“.

Preise für Benzin und Diesel

Die Altmark ist ein Land der weiten und langen Wege, fuhr der Pfarrer fort. Von Sebastian Koch hängt ein Wahlplakat mit dem Spruch: „Tanken ohne Tränen“. „Erklären Sie mal, wie Sie das verändern wollen.“ Die CO₂-Steuer „brauchen wir nicht“, die könne erlassen werden. In anderen Ländern würden Preisdeckel funktionieren, sagte dazu Frank Roßband. Aber das könne der Landtag nicht beeinflussen, sagte Sebastian Koch. „Warum diskutieren wir über Tankpreise?“, fragte er. „Weil es auf Ihrem Plakat steht“, verdeutlichte Skady Herkenrath.

Ärztemangel und das Krankenhaus

„Wie kommen wir zu Ärzten in der Altmark, zu einer besseren Versorgung?“, stellte Tobias Krüger die nächste Frage. „Das ist eine spannende Herausforderung“, die sie in den vergangenen Jahren beschäftigt hat, antwortete Sandra Hietel-Heuer. „Frustrierend“ sei es, dass erst die Kinderklinik und nun die Geburtsstation in Gardelegen geschlossen wurde. Eine Grundversorgung werde hier benötigt, „aber Ärzte kann ich nicht backen“. Wichtig sei es, Ärzte in den ländlichen Raum zu bekommen. Dafür wurde das Zahnmedizin-Stipendium geschaffen. Weitere Stipendien wären eine Möglichkeit.

Bei einer Veranstaltung über die Zukunft des Altmarkklinikums sei deutlich geworden, so Sebastian Koch, dass man vor allem den Standort Gardelegen „bewusst abbrennen lassen möchte“. Am Ende gehe es „nur um das Geld. Hier geht Profit vor Menschen“. „Nee, da möchte ich widersprechen“, unterbrach Sandra Hietel-Heuer. Der finanzielle Aspekt, fuhr Sebastian Koch fort, führe dazu, dass das Klinikum in Gardelegen, „bald ein medizinisches Versorgungszentrum mit Notaufnahme sein wird“.

Der Ärztemangel in der Region sei „keine Frage des Geldes“, Ärzte würden laut Paul Heitmann gut verdienen. Wichtig sei es daher, dass sie hier gerne auch leben möchten.

Geldeinkürzungen für Kirche

Wie die Kandidaten es mit der Religion und der Kirche halten, wollte Tobias Krüger nach einer Pause mit Orgelspielen wissen und sagte zu Sebastian Koch: „Sie wollen den Kirchen das Geld streichen. Wie kommen Sie dazu?“ Die Kirche ist „eine der wohlhabendsten Institutionen Deutschlands mit einem sehr enormen Vermögen“. Die Kirche sei leider seit einiger Zeit stark politisch, ergänzte er. „Ich sehe es einfach nicht ein, dass ich mit meinem Steuergeld eine Institution bezahle, die eine Politik gegen mich, meine Wähler und unsere politische Einstellung macht.“ Allerdings bekomme die AfD auch Steuergeld und mache damit Politik gegen die meisten Menschen, merkte Tobias Kremkau an. Deswegen wollte er den Unterschied zwischen der AfD und der Kirche wissen. Die Kirche beziehe Steuergeld von allen Steuerzahlern, aber die Parteien würden nur anteilig nach den Wählerstimmen Steuergeld bekommen.

Handynutzung und Jugendliche

Abschließend wollte Tobias Krüger wissen, ob die Handynutzung in Schulen für Kinder und Jugendliche eingeschränkt werden sollte, ob es für soziale Medien eine Altersbeschränkung geben sollte. Frank Roßband möchte, dass Handy und Tablet in der Grundschule verschwinden und erst ab Klasse 6 wieder genutzt werden. Kinder sollen erst einmal lesen, schreiben und rechnen lernen. Sebastian Koch hingegen „findet soziale Medien gut“. Was er aber nicht gut findet, ist, dass „viele junge Leute durch soziale Medien hoch politisiert werden“. Aber er sei Teil dieser Bemühungen der Radikalisierung, wie der Pfarrer anmerkte, der die Frage schließlich Annelie Brune stellte. Laut ihr sollte Kindern der richtige Umgang erklärt werden, ein Verbot würde hingegen nicht viel bringen. Ähnlich sahen das auch die anderen Kandidaten. Paul Heitmann schlug ein Verbot für soziale Medien ab 18 Jahren vor.

Abschließend wurde an der Orgel „Die Gedanken sind frei“ gespielt – passend zum Abschluss. Viele wichtige Themen wurden für die Region angesprochen. Was die Wähler daraus mitnehmen, wird schließlich das Ergebnis der Landtagswahl zeigen.


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26 08 18 Wahlforum GA Die Direktkandidaten Paul Heitmann (von links), Tobias Kremkau, Annelie Brune, Skady Herkenrath, Toni Klabis, Sebastian Koch und Sandra Hietel-Heuer sowie Frank Roßband, der nicht im Bild ist, stellten sich den Fragen. Ina Tschakyrow - Altmarkzeitung vom 20.08.2026