24.05.2026
Wort des Kreiskirchenrates zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Was uns bewegt – was uns leitet

update, 15.06.2026

Ins Gespräch kommen – Fragen zum Weiterdenken

Unser Wort zur Landtagswahl lädt zum Gespräch ein – und wir wissen: Es trifft nicht alle gleich. Manchen gibt es Orientierung, anderen gibt es zu denken, wieder andere reiben sich daran. Genau dafür haben wir ergänzend Impulse und Gesprächsanregungen entwickelt – für Gemeindeabende, Hauskreise oder das persönliche Nachdenken.

Sie sind bewusst offen gehalten: Es geht nicht darum, bestimmte Antworten nahezulegen, sondern eigene Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen zur Sprache zu bringen und einander zuzuhören. Wir wünschen gute und offene Gespräche.

Wort des Kreiskirchenrates zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Eine Wahl ist mehr als ein Kreuz auf einem Zettel. Sie ist eine Gewissensentscheidung – eine Chance, mitzugestalten, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Als Kreiskirchenrat des Kirchenkreises Egeln sagen wir vor der Landtagswahl klar, wofür wir stehen. Wir laden Sie ein, Wahlprogramme und Kandidierende an diesen Maßstäben zu messen.

Jeder Mensch zählt
Wir glauben: Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes – unabhängig von Herkunft, Sprache, Glaube, Geschlecht oder sozialem Status. Würde ist nicht verdienbar und nicht entziehbar. Es gibt keine Menschen zweiter Klasse. Vielfalt ist für uns keine Bedrohung, sondern ein Geschenk.
„Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn, …“ (1. Mose 1,27a)

Rechtsstaat und Menschenrechte schützen
Demokratie und Rechtsstaat schützen besonders die, die keine starke Lobby haben. Darum ist für uns entscheidend: Politisches Handeln muss auf der Würde jedes Menschen und auf klaren rechtsstaatlichen Regeln beruhen – nicht auf Ausgrenzung, Abwertung oder Angst.
Wir sehen mit Sorge, wenn Grundrechte relativiert, Minderheiten zu Sündenböcken oder demokratische Institutionen verächtlich gemacht werden. Kritik am Staat gehört zur Demokratie, aber sie darf nicht zur Aushöhlung von Rechtsstaat und Menschenrechten führen. Wir treten ein für unabhängige Gerichte, freie Medien, Gewaltenteilung und verlässlichen Schutz von Grundrechten für alle. Wer zur Wahl steht, muss sich daran messen lassen, ob er oder sie diese Grundlagen stärkt – oder schwächt.
„Ihr sollt beim Richten nicht die Person ansehen, sondern sollt den Kleinen hören wie den Großen.“ (5. Mose 1,17)

Solidarität mit den Schwächsten
Gott wendet sich den Armen, Geflüchteten und Verletzlichen zu – das ist Kern des Evangeliums. Deshalb stehen wir an der Seite derer, die am Rand stehen. Starke tragen Verantwortung für Schwache. Das ist nicht Schwäche, sondern Stärke einer Gesellschaft.
„Wir aber die wir stark sind, sollen das Unvermögen der Schwachen tragen und nicht Gefallen an uns selber haben.“ (Römer 15,1)

Fremde und Migration
Menschen verlassen ihre Heimat selten leichtfertig. Am Anfang stehen oft Krieg, Verfolgung, Armut oder fehlende Perspektiven. Die Sehnsucht nach einer Heimat, in der wir sicher und menschenwürdig leben können, kennen wir alle. Wenn sich diese Sehnsucht mit Gedanken verbindet, die auf Abschottung und Ausgrenzung gerichtet sind, vergessen wir leichtfertig, wie oft Juden wie auch Christen in der Geschichte auf die Toleranz und Aufnahmebereitschaft fremder Länder und Menschen angewiesen waren. Das gilt in vielen Teilen der Welt noch immer. Im Übrigen ist niemand davor sicher, einmal in die Situation zu kommen, seine Heimat verlassen zu müssen.
Wir glauben: Gott stellt uns die Fremden als Nächste an die Seite. Darum wenden wir uns gegen politische Absichten, die Menschen pauschal verdächtigen, Ängste schüren oder gegeneinander ausspielen. Wer flieht, bleibt zuerst Mensch – mit unverlierbarer Würde.
Wir setzen uns ein für eine Politik, die Geflüchteten Schutz gewährt, faire Verfahren sichert und Integration ermöglicht. Wir wissen, dass Migration nicht grenzenlos sein kann – aber niemals auf Kosten der Menschenwürde.
„Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken.“ (3. Mose 19,33)

Unser Gesellschaftsmodell: Vielfalt als Stärke
Wir leben in einem Land mit vielen unterschiedlichen Lebenswegen und Entscheidungen. Gesellschaft ist für uns kein Vereinheitlichungsprojekt, sondern ein Raum für Vielfalt. Aufgabe von Staat und Gesellschaft ist es, Bedingungen zu schaffen, in denen verschiedene Lebensentwürfe möglich sind.
Christlich begründet heißt das: Wir nehmen nicht nur die ernst, die uns ähnlich sind. Jesu Wort fordert uns heraus, auch diejenigen anzunehmen, die „nicht zu uns gehören“ – im Alltag beginnt das beim Nachbarn.
Viele sehnen sich nach „klarer Kante“ und einfachen Antworten. Wir verstehen Offenheit nicht als Schwäche, sondern als Stärke: Eigene Überzeugungen klar zu vertreten, ohne sie anderen aufzuzwingen. Dieses Verständnis von Gesellschaft ist die Folie für unsere Überlegungen zu Familie, Bildung und Kultur.
„Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, was für einen Lohn habt ihr?“ (Matthäus 5,46)

Familie und Bildung
Familien tragen große Verantwortung – und sie brauchen Unterstützung. Eltern und Kinder müssen gleichermaßen gestärkt werden. Dies ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag. Darum ist Familie ein wichtiger, aber nicht der einzige Ort von Erziehung und Prägung. Es gibt unterschiedliche Familienformen, in denen Verantwortung füreinander übernommen wird. Diese Vielfalt gehört zu unserer Lebenswirklichkeit.
Kitas, Schulen und andere Bildungsorte sind Räume, in denen Kinder und Jugendliche für ihr Leben gestärkt werden, Respekt vor anderen Lebensentwürfen, Auseinandersetzung mit Geschichte und Einüben von Konfliktfähigkeit lernen. Dafür ist gemeinsames Lernen wesentlich.
Wir treten ein für Politik, die Kinderrechte schützt, Eltern stärkt, Unterstützungssysteme ausbaut und Bildung als gemeinsamen Raum in einer vielfältigen Gesellschaft versteht.
„Und lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“ (Hebräer 10,24) 

Kultur und Heimat
Kultur entsteht, wo Menschen miteinander leben, erzählen, musizieren, feiern und trauern. Sie speist sich aus vielen Erfahrungen und richtet den Blick nach vorn. Darum wird ein einseitig eingeengtes Verständnis von Kultur dem Reichtum unterschiedlicher Traditionen, Sprachen und Ausdrucksformen nicht gerecht.
Kirchliche Räume sind Orte von Kultur: Gottesdienste, Chöre, Konzerte, Gruppen und Projekte werden von vielen Menschen besucht, nicht nur von Kirchenmitgliedern. So tragen Gemeinden zur kulturellen Vielfalt vor Ort bei. Kirchen stiften Heimat im guten Sinne.
„Ich schäme mich des Evangeliums nicht.“ (Römer 1,16)

Damit sagen wir als Kreiskirchenrat:
Wer sich am Evangelium der Liebe Gottes orientiert, wird politische Kräfte unterstützen, die Menschen zusammenbringen, ihre Würde achten und die demokratische Ordnung stärken.


Egeln, im Mai 2026

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Der Kreiskirchenrat des Kirchenkreises Salzwedel schließt sich diesen Worten an.

 

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