05.05.2026
Leipzig von Amokfahrt erschüttert | Ökumenische Gedenkandacht in Nikolaikirche

Leipzig/Dresden (epd). Nach der mutmaßlichen Amokfahrt in Leipzig haben Vertreter der Kirchen mit großer Betroffenheit reagiert.

Sachsens evangelischer Landesbischof Tobias Bilz erklärte am Montagabend in Dresden: "Solche Taten treffen uns ins Mark, sie erschüttern unser Vertrauen in Sicherheit."

Angst sei eine reale Erfahrung. Doch die Gesellschaft stehe zusammen. Bilz gab zudem seiner Zuversicht Ausdruck: "In Momenten größten Leids wächst oft eine besondere Kraft der Solidarität". Der Leipziger Superintendent Sebastian Feydt sprach von "einer Welle des Mitgefühls und großen Mutes". Auch er appellierte, "gerade jetzt noch stärker zusammenzustehen, achtsam füreinander da zu sein, zu trösten und zu trauern".

Ökumenische Gedenkandacht

Beide bekundeten tiefes Mitgefühl mit den Opfern, deren Familien und allen Betroffenen. In und an den beiden Innenstadtkirchen St. Nikolai und St. Thomas sollte laut Feydt die Möglichkeit gegeben werden, "zu trauen, Kerzen anzuzünden und die eigenen Gefühle auszudrücken". Für den frühen Dienstagabend ist eine ökumenische Gedenkandacht in der Leipziger Nikolaikirche geplant.

In der Leipziger Innenstadt war am Montagnachmittag ein Auto in eine belebte Fußgängerzone gerast und erfasste mehrere Passanten. Laut Polizei wurden zwei Menschen getötet. Es handele sich um eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann, hieß es. Eine abschließende Aussage zur Anzahl der Verletzten konnte zunächst nicht getroffen werden.

Kein politisches oder religiöses Motiv

Die Staatsanwaltschaft sowie die Polizeidirektion Leipzig ermitteln nach eigenen Angaben gegen einen 33-jährigen Mann unter anderem wegen zweifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs. Die mutmaßlichen Hintergründe der Tat seien Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Nach bisherigen Erkenntnissen werde nicht von einem politischen oder religiösen Motiv des Täters ausgegangen, hieß es.

Einsatzkräfte hatten den Fahrer des Tatfahrzeugs nach der Amokfahrt im Bereich des Thomaskirchhofs gestellt. Er wurde vorläufig festgenommen und sollte am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Dahingehend bestehe keine Gefahr mehr für die Bevölkerung, hieß es.

Der Bischof des katholischen Bistums Dresden-Meißen Heinrich Timmervers, erklärte: Der "schreckliche Vorfall in der Leipziger Innenstadt" mache ihn "tief betroffen und fassungslos". Er stehe mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern vor Ort im Kontakt.

"In diesen schweren Stunden bin ich in Gedanken und im Gebet bei den Toten, den Verletzten und allen, die dieses Geschehen miterleben mussten", erklärte der katholische Bischof.

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einer "schrecklichen Amokfahrt". Es herrsche "Entsetzen und Trauer zugleich". Schuster bezeichnete den Fahrer des Angriffs als "Amoktäter".

 

Leipziger Amokfahrt: Kretschmer bei ökumenischer Gedenkandacht

Leipzig (epd). Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wird am Dienstagabend an der ökumenischen Gedenkandacht nach der Amokfahrt in Leipzig teilnehmen. Die christlichen Gemeinden der Stadt laden dazu in die Nikolaikirche ein. Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhart Jung (SPD) hat sein Kommen zugesagt. Die Andacht sei für alle Menschen offen, teilte der Kirchenbezirk Leipzig am Dienstag mit.

Im Zentrum der Zusammenkunft stehe das Bedürfnis, dem kollektiven Erschrecken gemeinsam zu begegnen. "Es geht darum, den Betroffenen tiefe Solidarität und Mitgefühl zu zeigen", hieß es. Am Montagnachmittag war ein Mann mit einen Auto in eine Leipziger Fußgängerzone gerast. Zwei Menschen starben, weitere sind zum Teil schwer verletzt. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einem "Amoktäter". Der Mann wurde festgenommen und sollte am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Platz für Ratlosigkeit und Trost

Mit der Andacht in der Leipziger Nikolaikirche soll "Raum für Ratlosigkeit, aber auch für Trost und Hoffnung entstehen", teile der Kirchenbezirk mit. "In Momenten, in denen Worte nicht mehr ausreichen, um das Unbegreifliche zu fassen, kann das Zusammenkommen, das Schweigen und das Gebet eine große Kraft entfalten", hieß es.

Geleitet wird die Andacht vom Leipziger evangelischen Superintendenten Sebastian Feydt und dem Propst der katholischen Trinitatiskirche in Leipzig, Ralph Kochinka. Beteiligt sind zudem der sächsische Landesbischof Tobias Bilz und der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers. Der Thomanerchor wird die Andacht musikalisch gestalten.


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